Die Forrests – Roman einer Familie

Emily Perkins

(The Forrests, Roman), Berlin Verlag, Berlin (2012 und 2014)

Roman aus Neuseeland voll starker Sinneseindrücke

„‚Es waren die Geheimnisse, die einen so einsam machten.‘

Geheimnisse gibt es in der Forrest-Familie einige:

Die Forrests ist ein gelungener Roman, der nicht fieberhaft nach dem Außergewöhnlichen sucht, im Gegenteil: Gerade weil es eine so normale Familie ist, deren Leben und Scheitern Emily Perkins schildert, bleibt ihr Buch trotz aller Verträumtheit lebensnah. Ich werde den Roman wieder zur Hand nehmen, um in Dots Leben einzutauchen und in Perkins Sprache zu graben, als sei sie eine Schatzkiste.“

Blog syn-ästhetisch | Berlin

„Das Buch beeindruckt mit seinem unaufgeregten Erzählfluss und seinem sicheren Gespür für sinnliche Details ebenso wie als ungeschönte Chronik eines Familienlebens zwischen Geldknappheit und Kindererziehung. Aus mehr als 20 biographischen Vignetten hat Emily Perkins ihren vierten Roman komponiert. … Die Autorin interessiert sich für den Schaden, den die Tentakel der Riesenkrake Familie anrichten können.“

Wieland Schwanebeck, Dresdner Neueste Nachrichten

„Die Biografien der Forrests werden nicht chronologisch erzählt, vielmehr in Zeitsprüngen, was dem Buch eine große Tiefe verleiht.“

Nürnberger Zeitung, 12.10.2012

„Emily Perkins erzählt in schwingenden langen Sätzen die Geschichte dreier Generationen. … Vor allem im ersten Drittel dieser Auswanderergeschichte entfaltet Perkins ihre Kunst, kleinste Beobachtungen, Alltassituationen oder Blicke, in kurzen, knappen Worten darzustellen. Anke Caroline Burger hat dies behutsam übersetzt. Da sitzt Eve ‚mit vor Keuchhusten und Anarchie glänzenden Augen‘ da, ein Kind im Schwimmbad hat ‚stachlignasse Wimpern‘, nach einer von Irritationen aufgeladenen Situation haut einer der Jungs dem anderen auf die Schulter ‚und kittet den Raum wieder zu einem Stück zusammen.‘ Gerade das geschieht den sensibleren Familienmitgliedern immer wieder, dass die Realität auseinanderzufallen scheint, und sei sie auch noch so im Detail beschrieben. Wunderbar die Szenen, in denen die Kinder sich in wilder Anarchie den Erziehungsversuchen der Eltern zu widersetzen suchen. Die traurigste Erkenntnis des Buches ist, wie wenig Freiheit man sich als Erwachsener erhalten kann. Das macht Generationengeschichten so bitter: dass auf wenigen Buchseiten ein Leben vorbeizieht, auch wenn scheinbar nur wenig passiert.“

Barbara Schaefer, Stuttgarter Zeitung, 9.10.2012. Flucht aus den Fängen der Familie

„Auch Emily Perkins verfolgt in ihrem Roman das Schicksal einer zugewanderten Familie in Neuseeland. Mit Die Forrests ist es ihr gelungen, fesselnd über das Erleben von Zeit zu schreiben – am Beispiel einer Familie aus New York. ‚Mich hat interessiert wie das ist, an so einem Ort wie Neuseeland anzukommen – für Leute aus den Staaten ein überraschender Ort in dieser Zeit‘, so Perkins, ‚und wie die Eltern eine Version ihrer selbst zurücklassen, um etwas Neues zu beginnen und jemand anderes zu sein. Das ist schwierig, kompliziert und auch kurios – in der Art, wie sie es nicht wirklich hinkriegen.'“

Dunja Stamer, zdf.de, 12.10.12

„‚Vater machte vor ihnen Verrenkungen mit der Filmkamera. Er hielt die Kodak, ihren kostbarsten Besitz, als ob sie ein sich lebendig windendes Tier wäre, ein Frettchen oder eine Schlange, von dem er geführt würde. Die Kinder hatten sich im Garten unter einem Pappkarton zu verstecken, für einen Film, der später mal lustig sein würde, wie er ihnen versicherte. Als Dorothy dran war, kauerte sie sich wie eine Schildkröte auf den Rasen, Stirn auf die knochigen Knie gedrückt, Arme angezogen, heißer Atem auf ihrer Haut, während Michael den Karton hochhob und über sie stülpte, ein warmes Dunkel, ein seltener Augenblick ganz allein. Sie atmete tief ein.‘

So beginnt Emily Perkins neuer Roman Die Forrests. Und wie die Kamera des Vaters einzelne Blicke, Farben und Stimmungen einfängt, muss man sich auch den Aufbau des Buches vorstellen. Eindrückliche, sehr visuelle Schilderungen von Momenten brechen immer wieder in die Handlung ein. Wie bei einem Super-8-Film reihen sich Bilder aneinander, die intensiv und melancholisch leuchten.“

Verena Specks-Ludwig, WDR5, Bücher, 5.10.12

Emily Perkins im Gespräch: „The bliss of physical existence“

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