Eisfuchs

Tanya Tagaq

(Split Tooth, Roman), Antje Kunstmann Verlag, München (2020)

Eisfuchs Roman

Die Stimme der Inuit-Sängerin Tanya Tagaq ist umwerfend, nicht nur auf der Bühne, sondern auch in diesem, ihrem ersten Buch

„Diese Härte und Sinnleere bringt Tagaq dabei in einer Sprache zum Ausdruck, die nicht nur karg ist wie die Landschaft, sondern stets auch in Metaphern und Bilder übergeht, die die Grenzen zwischen Realität und Traum, zwischen Mensch und Umwelt, ja zwischen Leben und Tod nach und nach verwischen. … Dafür, diesen außergewöhnlichen Klang so schlüssig ins Deutsche gebracht zu haben, darf man im Übrigen der Übersetzerin Anke Caroline Burger danken.“

Jonas Heß, Literaturkritik.de, 21.10.2020, Rohe Existenz

„‚Geist hat gelernt, wie man im Gehäuse von Schleim und Knorpel überwintert.’ …

Bei Minusgraden, die den Atem stocken lassen und das Blut in Wallung bringen, wirft die aus Kanada stammende Autorin jegliche westliche Vorstellungen von Pubertät über Bord.“

Dagmara Dzierzan, 17.04.2020, Bayerischer Rundfunk

„Es sind fürchterliche Geschichten, die in diesem Buch erzählt werden, und noch mehr Entsetzliches wird angedeutet. … ‚Ich vergebe und vergesse nicht’, heißt es im vorletzten Gedicht des Romans. Und im letzten: ‚Fang wieder von vorne an.’“

Tilmann Spreckelsen, FAZ, 10.6.2020, Im langen Haar der Meeresgöttin. Überleben am Polarmeer

„Das Leben in Nunavut kann die Hölle sein. Gegen die Kälte des Permafrostbodens helfen in der kanadischen Arktis noch die Kamiit, die Inuit-Stiefel, aber gegen das Gefühl, dass das ganze Sein vor allem im Winter wie eingefroren ist, kann auch die Fußbekleidung nichts ausrichten. Die Welt wirkt hier, an ihrem Rande, bleiern, benommen, betäubt.

‚Langeweilekater. Tiefster Winter. Die Sonne haben wir seit Monaten nicht gesehen. (…) Kältefrei kriegen wir erst ab minus fünfzig Grad, gefühlte Temperatur’, berichtet die Ich-Erzählerin, eine Schülerin im Teenager-Alter. (…) Die Erzählerin kommt darin als beeindruckend starke Person herüber, die Wege gefunden hat, sich von den Wunden der Kindheit zu kurieren. Und darin dürfte sie dann doch einiges mit der großen Künstlerin Tanya Tagaq gemein haben.“

Jens Uthoff, TAZ, 11.3.2020, Sie schlägt sich durch. Sängerin und Autorin Tagaq erzählt rotzig vom Aufwachsen in der kanadischen Arktis. Von Missbrauch, Natur und surrealen Traumwelten.

Podcast aus der Berliner Buchhandlung Ocelot

www.blauschwarzberlin.de

„Aus dem sonnigen Trinidad steuert Meike dann direkt den Polarkreis an: Die indigene Sängerin Tanya Tagaq schreibt in ihrem literarischen Debüt Eisfuchs über das Aufwachsen eines jungen Mädchens im eisigen Norden Kanadas. Das harte Leben im Dorf ist geprägt von Gewalt und Alkoholismus, doch die Protagonistin findet Kraft in der Natur und den Mythen der Inuit. Mit einer Mischung aus Roman, Memoir und Gedichtband findet Tagaq eine ganz eigene Erzählform.“

papierstaupodcast.de folge-89

„‚Wenn jemand den Saal verlassen will’, erklärte Tanya Tagaq zu Beginn ihres Konzertes im Kennedy Center in Washington 2019, ‚ist das okay.’ Der Kehlkopfgesang sei nicht jedermanns Geschmack. Was die 1975 im kanadischen Nunavut geborene Inuit über ihr vokales Feuerwerk sagte, mit dem sie eine archaische Welt erschafft, gilt auch für ihr Schreiben: Eisfuchs ist von sehr ungewohnter Art. Doch das eine wie das andere verströmt eine hohe Dringlichkeit.

Tagaqs literarisches Debüt von 2018, das jetzt auf Deutsch erscheint, handelt in einer Mischung aus Prosa und Lyrik von Kindheit und Jugend tief in der Arktis. Der Nordpol liegt sozusagen in Sichtweite. Drei Monate im Jahr scheint rund um die Uhr die Sonne und ebenfalls drei Monate im Jahr herrscht rund um die Uhr Dunkelheit. Die Heldin lebt in einem ‚langweiligen Kaff’, das 1200 Einwohner zählt. Kältefrei gibt es in der Schule erst bei gefühlten minus 50 Grad.“

Martin Oehlen, Frankfurter Rundschau, 16.2.2020, „Tanya Tagaq: Eisfuchs – Wer auf dem Eisbären reitet. Die göttliche Natur und die Lästigkeit, dass Wimperntusche bei minus 40 Grad nicht mehr hält: Eisfuchs heißt das erstaunliche literarische Debüt der Kehlkopfsängerin Tanya Tagaq

„Ein moderner Roman mit archaischen Bildern einer fast vergessenen Kultur. Düster und dämonisch, magisch und mystisch. Genau wie die Musik von Tanya Tagaq.“

Christine Gorny, Radio Bremen 2, Buch-Tipp

„Am Anfang steht die strukturelle Gewalt des Kolonialismus. 

Während in plastischen Szenen das Unheil, aber auch das alltägliche Leben in einem arktischen Dorf geschildert wird, werden zugleich die Beziehungen zu den Geistern und Ahnen reanimiert. Auf diese Art hat Tanya Tagaq mit ihrer fast musikalischen Komposition von deskriptiver Prosa, liedhaften Impressionen und psychologischen Lyrismen einen Weg gefunden, aus der schamanistischen Tradition der ungebändigten Rede heraus ihren poetischen Schrei der Verzweiflung zu formulieren.“

Martin Zähringer, NZZ, 03.08.2020, Sing, wenn du nicht schreien willst: Tanya Tagaq, die indigene Rebellin aus Kanada. Für westliche Bildung zahlten Kanadas Indigene einen hohen Preis: Bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts ging der Unterricht mit kultureller Entwurzelung und sexuellem Missbrauch einher. Die Inuk-Künstlerin Tanya Tagaq findet eigene Antworten auf diese Erfahrung